Campus Innovation Hamburg | Stoppt die Kompetenzkatastrophe! – Bausteine einer neuen Bildungswelt

By 28. September 2016News

Keynote

Termin:
17.11.2016

Der Bologna-Prozess an den Hochschulen hat bewirkt, dass nominal auch überfachliche, berufsfeldorientierte Kompetenzen, die ein Fachstudium sinnvoll ergänzen, im Studium berücksichtigt werden. Nahezu alle deutschen Hochschulen haben die „Vermittlung“ von diesen Fähigkeiten, zumindest in der Begrifflichkeit, in ihre Lehrpläne aufgenommen oder ein Konzept dafür entwickelt. Seit Bologna ist jedoch eine Kompetenz „…nur dann eine Kompetenz, wenn sie mit einem standardisierten Zeitaufwand an genau bestimmten Lernorten erworben wurde“ (Tremp & Eugster 2006 S. 164). Mit Problemlösungen in den Herausforderungen des beruflichen Alltags, insbesondere in einer Welt der Arbeit 4.0, mit selbstorganisierter, kreativer Handlungsfähigkeit hat das wenig zu tun.

Die Anforderungen an die Kompetenzen der Mitarbeiter verändern sich im Rahmen der Arbeit 4.0 dramatisch. Die Vision des Computers als persönlicher Lernpartner und Denkwerkzeug rückt immer näher.  Der Trend geht von der Interaktion zur Integration von Computersystemen in die Lernkonzeptionen. Auch in den Hochschulen wird deshalb eine radikale Veränderung der Strukturen und der Lernkultur erforderlich, um der Kompetenzkatastrophe zu widerstehen.  Studierende sind „lernfähig, aber unbelehrbar“. Diese Erkenntnis muss sich endlich in den Lernkonzeptionen der Hochschulen niederschlagen. Dabei spielen die Aspekte der Digitalisierung und der Selbstorganisation des Lernens sowie der Personalisierung der Lernprozesse eine zentrale Rolle.

Dies erfordert grundlegend veränderte Lernarrangements auf Basis der Ermöglichungsdidaktik, von Blended Learning Arrangements für formelles Lernen bis zum kompetenzorientierten, forschenden Lernen in Social Workplace Learning Prozessen. Diese digitalisierten und personalisierten Lernsysteme bedingen jedoch völlig neue Rollen aller Beteiligten, von den Studierenden bis zu den Professoren. Deshalb ist ein konsequentes Veränderungsmanagement notwendig, um eine nachhaltige Implementierung zu sichern. Diese Veränderungsprozesse setzen ein  professionelles Projektmanagement voraus, das die Phasen der Analyse, des normativen Orientierungsrahmens, der strategischen Rolle der Hochschule, der operativen Gestaltung und Erprobung sowie des Rollouts umfasst. Da die Studierenden und Professoren im Regelfall aus einer fremdorganisierten Lernwelt kommen, ist es notwendig, einen schrittweisen Entwicklungsprozess zu innovativen Lernarrangements zu gestalten, um ihnen die Möglichkeit zu geben, sich individuell in die selbstorganisierte Lernwelt zu entwickeln.

Referent:
Prof. Dr. Werner Sauter

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