Was macht gute Bildung aus?

„Hier geschehen Wunder“, titelte die Zeit vom 6. Juni 2019, als sie über die Verleihung des Deutschen Schulpreises an die Gebrüder Grimm Schule berichtete. In dieser sogenannten „Brennpunktschule“ erreichten 2015 gerade mal drei Prozent der Schüler in Mathematik und Lesen die oberste „Kompetenzstufe“, 2019 lag dieser Wert bereits bei 34 %. 80 % der Schüler kamen dieses Jahr in die beiden obersten der fünf Kompetenzstufen, während dies landesweit nur 42 % schafften.

Wie war dies möglich? Der Artikel gibt am Ende die Antwort dazu: „Was hier ausgezeichnet wurde, ist weniger ein Konzept – es ist ein Haltung.“ Die Werte, die in dieser Schule offensichtlich verinnerlicht wurden, machen somit den wesentlichen Unterschied aus.

Die wichtigste Veränderung gegenüber dem tradierten Schulsystem ist dabei das Menschenbild, das die Lernkonzeption der Gebrüder Grimm Schule prägt.

  • Ideen zur Verbesserung der Lernsituation kommen von allen Beteiligten, also auch den Schülern, und werden über eine Pinnwand veröffentlicht.
  • Die Kernfrage bei der Weiterentwicklung der Lernkonzeption ist jeweils, was die Kinder, also die Lerner davon haben.
  • Die Kinder gestalten ihr eigenes Lernen individuell und selbstorganisiert.
  • Es herrscht eine Kultur der positiven Rückmeldung.
  • Das Lernen erfolgt in Projekten, jahrgangsübergreifend, also sozial.

Weitere „Geheimnisse“ des Erfolges dieser Grundschule sind folgende Merkmale:

  • Die Lernarrangements werden von den Lehrern gemeinsam vor Ort, ausgerichtet an den differenzierten Ansprüchen der Schüler, und nicht durch Bürokraten in Ministerien entwickelt.
  • Die klassische Unterrichtsstruktur wurde aufgebrochen.
  • Es werden neue Lernkonzeptionen ausprobiert, verworfen, angepasst und immer wieder hinterfragt.
  • Auf die selbstorganisiert gestalteten Projekte folgen Kurs-Epochen, in denen die Kinder personalisiert, nach ihrem spezifischen Bedarf, ihre Fertigkeiten trainieren, also insbesondere Lesen, Schreiben, Rechnen.
  • Die Kinder werden von multiprofessionellen Teams begleitet, in denen neben den Lehrern auch Heilpädagogen,Erzieher oder Inklusionsbegleiter als Lernbegleiter mitwirken.

Was können wir daraus für das Corporate Learning lernen?

Wir sehen diese Erfahrungen als Bestärkung für unseren Ansatz des Social Blended Learning. Auch in diesem Ansatz gehen wir von einem Menschenbild aus, das auf selbstorganisierten und eigenverantwortlich handelnden Lernern, die unabhängig, offen, eigenverantwortlich und kollaborativ mit Würde, Respekt, Achtung, Toleranz und Akzeptanz auf Augenhöhe handeln, basiert. Wir streben damit eine wertebasierte Lernkonzeption an.

Social Blended Learning ist kein Patentrezept, sondern wird in einem dynamischen Prozess unter Einbeziehung aller Beteiligten, auch der Lerner, ständig neu „erfunden“. Die Verantwortung für den Lernerfolg liegt primär bei den Lernern selbst, die mit ihren Lernpartnern, ihren Lernbegleitern (Coaches) und ihren Führungskräften (Mentoren) ihre personalisierten Entwicklungsprozesse, vor allem im Prozess der Arbeit oder in Praxisprojekten, gestalten. Entscheidend ist dabei die Kompetenz der Lernbegleiter, personalisierte Lernprozesse der Teilnehmer zu ermöglichen.

Unabhängig davon, ob wir den schulischen oder betrieblichen Bildungsbereich betrachten, zeigen diese Erfahrungen, dass Bildungskonzeptionen, vor Ort, von allen Beteiligten „auf Augenhöhe“ gestaltet werden müssen, wenn sie erfolgreich sein sollen. Die Verantwortung für das Lernen sollte deshalb von den zentralen Bildungsabteilungen, unabhängig davon ob Ministerium oder Personalentwicklungsabteilung, zu den Verantwortlichen vor Ort, also zu den Lernern und ihren Lernbegleitern, wandern.

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