Welche Art von Web Based Trainings benötigen wir?

Web Based Trainings bzw. E-Learning-Arrangements zählen nach wie vor zu den wichtigsten Anwendungen innovativer Lernformen, wenn auch mit leicht abnehmender Tendenz (vgl. Trendmonitor MMB-Institut). Während die erste Entwicklungsstufe der Web Based Trainings mit meist sehr aufwendigen Lernprogrammen, die durch eine hohe Grafikanimation geprägt waren, heute aus Kostengründen und wegen der nicht feststellbaren Auswirkung von teuren Animationen auf den Lernerfolg  kaum mehr eine Rolle spielen, findet man heute in der Praxis folgenden  Ausprägungen des E-Learning:

  • E-Learning der 1. Generation zum Wissensaufbau: Diese Lernkonzepte verlagern das Prinzip des Frontalunterrichts und des Fernlernens in das Netz. In Verbindung mit Tests bilden sie damit eine technologisch gestützte Form des Bulimielernens – Informationen aufnehmen, im Test ausspucken, vergessen. Ein Transfer dieses auswendig gelernten Wissens in die Praxis findet nur in sehr geringem Maße statt.
  • E-Learning der 2. Generation zur Qualifikation: Hier wird das Prinzip des Seminarlernens mit dem Wissensaufbau und der Qualifikation ins Netz verknüpft. Dieses Prinzip wird als „reines“ E-Learning mit problem- oder aufgabenorientierten Web Based Trainings, aber vor allem im Blended Learning Arrangements umgesetzt, bei dem ein selbstorganisierter Wissensaufbau mittels E-Learning mit Übungsphasen im Rahmen von Web Based Trainings, aber insbesondere auch in Workshops, verknüpft wird. Blended Learning Arrangements haben sich fzwischenzeitlich breit durchgesetzt, weil sie eine hohe Lerneffizienz aufweisen, wenn formelle Lernziele angestrebt werden und sie professionell gestaltet werden. Auch hier steht oftmals nicht der Praxistransfer, sondern die Vorbereitung auf eine Prüfung im Vordergrund. 
  • E-Learning der 3. Generation zur Werte- und Kompetenzentwicklung: Diese Lernkonzepte orientieren sich an individuellen Werte- und Kompetenzzielen der Lerner in Hinblick auf reale Herausforderungen in der Praxis oder in Projekten und sind damit selbstorganisiert. Die Lerner gestalten ihre Lernprozesse, z.B. im Rahmen von Herausforderungen am Arbeitsplatz oder über reale Projekte, selbst und legen ihre Ziele, Inhalte, aber auch Lern- und Sozialformen, Medien und Zeiten sowie Lernorte, häufig in Abstimmung mit Lernpartnern, Coaches oder Führungskräften, selbst fest. Deshalb benötigen sie problemorientierte, modularisierte Lernprogramme („Micro-Learning), die sie bei Bedarf aufrufen, um ein akutes Problem zu lösen. Der Lernerfolg wird also nicht mittels eines Tests, sondern anhand der erfolgten Lösung in der Praxis (Performanz) gemessen. Deshalb sollten die Web Based Trainings nicht nur das notwendige Wissen und Übungen zur Qualifizierung anbieten, sondern den Transfer in die Praxis initiieren. Hierzu gehört auch, den Lernern die Möglichkeit zu bieten, auf Erfahrungswissen von Kollegen zuzugreifen und eigenes Erfahrungswissen einzubringen (kompetenzorientiertes Wissensmanagement) und die Vernetzung mit Kollegen und Experten zu ermöglichen.

Zukünftig werden E-Learning Arrangements der 3. Generation immer mehr an Bedeutung gewinnen, da in einer digitalisierten Arbeitswelt zunehmend werte- und kompetenzorienierte Lernarrangements benötigt werden. Es ist weiterhin davon auszugehen, dass sich die Web Based Trainings in wenigen Jahren fundamental verändern werden, wenn wir die Fähigkeiten humanoider Computer mit künstlicher Intelligenz nutzen können, um personalisierte Lernprozesse zu ermöglichen.